Erschienen:

 

24.01.2017: © Schwäbisches Tagblatt GmbH

 

mit freundlicher Genehmigung der Autorin Susanne Wiedmann

 

 

 

 

 

Denkmalamt entscheidet

 

 

 

Architektur Hat das historische Gebäude in der Bahnhofstraße 11 doch eine Zukunft? Ende des Monats werden Denkmalpfleger in Esslingen darüber beraten.

 

 

 

Längst wirbt die Kreisbaugesellschaft für ihren geplanten Neubau in der Bahnhofstraße 11. „Viel Platz zum Leben und Arbeiten im Zentrum von Mössingen“, heißt es beispielsweise in einem ihrer Prospekte. Noch aber gibt es gar keinen Platz, denn an dieser Stelle steht derzeit das historische Gebäude aus dem Jahr 1891. Erbaut von Werkmeister German Munding – mit Tuffsteinen und Ziergiebel, Sandsteinfries und Holzveranda.

 

 

 

Nach dem Willen von Kreisbaugesellschaft Tübingen und Mössinger Stadtverwaltung soll es in diesem Jahr einem mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshaus weichen. Garten und Garagen wurden bereits im vergangenen Sommer entfernt für einen Interimsparkplatz.

 

 

 

Untypisch für dörfliche Struktur

 

 

 

Das TAGBLATT kritisierte Ende August die Abrisspläne, weil das zweistöckige Stadthaus mit Ziergiebel für Mössingen eine architektonische Besonderheit darstellt. Denn vor über 100 Jahren, als dieses städtisch anmutende Gebäude errichtet wurde, war Mössingen noch längst keine Stadt, sondern ein Bauern- und Handwerkerdorf. Auch Stadtarchivarin Franziska Blum, die jetzige Mössinger Museumsleiterin, betonte damals: Das Gebäude sei „untypisch für die eigentlich dörfliche Struktur Mössingens“.

 

 

 

Bis dahin hatte das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg der Bahnhofstraße 11 keine größere Beachtung geschenkt. Sabine Kraume-Probst vom Referat „Inventarisation Bau- und Kunstdenkmalpflege“ kannte das Gebäude nach eigenen Angaben nur von einem Foto aus dem Jahr 1999. „Anhand des Fotos sahen wir keinen Grund, das Gebäude weiter zu begutachten“, sagte sie im Sommer auf unsere Nachfrage. Derartige Gebäude seien aus anderen größeren Städten bekannt und daher keine Seltenheit.

 

 

 

Offenbar hatte sie nicht bedacht, dass Mössingen Ende des 19. Jahrhunderts eben keine und schon gar keine größere Stadt war. Und wie außergewöhnlich für ein schwäbisches Dorf die Bahnhofstraße mit ihrem eindrucksvollen städtischen Charakter war. Allerdings wurden etliche der historischen Häuser schon in früheren Jahren abgerissen.

 

 

 

Die Berichte und Leserbriefe im TAGBLATT führten jedenfalls dazu, dass der Denkmalverein Mössingen dem Landesamt für Denkmalpflege dringend empfahl, die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes in der Bahnhofstraße 11 zu überprüfen.

 

 

 

In größerer Runde entschieden

 

 

 

Zudem möchte der Denkmalverein eine wissenschaftliche Arbeit über den Werkmeister German Munding finanziell mit mehreren hundert Euro unterstützen.

 

 

 

Denn Munding baute um das Jahr 1900 mindestens drei Wohnhäuser in der Mössinger Bahnhofstraße. Unter anderem ein repräsentatives Wohnhaus mit der Hausnummer 20 für seine Familie. Es ist bereits vor vier Jahrzehnten platt gemacht worden.

 

 

 

Über die Zukunft der Bahnhofstraße 11 soll Ende Januar in größerer Runde im Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen diskutiert werden, kündigt Sabine Kraume-Probst jetzt auf unsere Nachfrage an. Sie werde das historische Gebäude den Kollegen vorstellen und sie nach ihrer Meinung befragen. Im Anschluss an die Sitzung soll entschieden werden, ob das historische Haus zum Kulturdenkmal erklärt wird oder nicht.

 

 

 

Auch ein Bauwerk von German Munding

 

 

 

In der Bahnhofstraße Mössingen gibt es noch ein weiteres Gebäude des Architekten Germann Munding (Hausnummer 26). Es steht links neben dem Rewe-Markt: mittlerweile verputzt, aber ebenfalls mit Ziergiebel und Bogenfenstern.