Samstag, 7.Dezember 2013

 

Der Vortragssaal in der Pausa ist nur den Hausbewohnern vorbehalten

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und Autorin:
SUSANNE MUTSCHLER

 

Nur die Mössinger Bücherei, der Regionalverband, die Diakonie-Sozialstation und die Stadt haben mit ihren Veranstaltun­gen unbeschränkten Zugang zum Vortragssaal in der Pausa Tonnenhalle. Alle anderen Ver­eine und Verbände haben es schwer, reinzukommen.

 

Norbert Otto, der Vor­sitzende des kleinen Mössinger Denkmalvereins, ist enttäuscht. Sein Antrag, den Vortragssaal der Mössinger Pausa für eine Veran­staltung nutzen zu dürfen, wurde von der Stadt abgelehnt. Thema wäre die Instandsetzung eines denkmalgeschützten Öschinger Hauses gewesen. „Wir dachten, das ist eine spannende Sache", sagt Otto.

„Der Pausa Vortragsraum ist von Anfang an nie für die Mössinger Vereine vorgesehen gewesen", stellt dagegen Kulturreferentin Sil­via Maier klar. Er steht nur den drei

Hausbewohnern zur Verfügung. Das sind neben der Stadt als Eigen­tümerin die Diakonie-Sozialstation, der Regionalverband und die Stadtbücherei. Eine Öffnung für weitere Nutzer lasse der Raum nicht zu, er sei bereits jetzt „streng belegt". Allerdings habe die Vielfalt der Veranstaltungen, die in der Vergangenheit in der Pausa statt­fanden, möglicherweise „den Ein­druck einer allgemeinen Nutzbar­keit entstehen lassen", räumte Maier ein.

Zu den Belegungsberechtigten gehört „als der verlängerte Arm der Bücherei" auch der Büchereiför­derverein, wie sich der Vereinsvor­sitzende Dieter Schmidt ausdrückt. Seine Fürsprache und Unterstüt­zung hat manchmal auch Veran­staltungen den Weg geebnet, die nicht in unmittelbarer Beziehung zu Büchern standen. „Eine schrift­lich festgesetzte Regelung gibt es nicht", wendet sich Schmidt gegen die Einschränkung auf ausschließ­lich Literarisches. Dass in letzter Instanz der Oberbürgermeister über die Raumnutzung entschei­det, erlebte er kürzlich, als es um die Lesung über das SS-Massaker im italienischen Sant' Anna ging.

Der Denkmalverein hat „ein in­teressantes heimatgeschichtliches Thema", findet Schmidt. „Wir wä­ren gerne die Veranstalter gewe­sen." Dem Bücherei-Förderverein werde ein Spielraum gewährt, ar­gumentiert Silvia Maier. Was sie al­lerdings dringend verhindern will, ist „eine heimliche Öffnung" der Räumlichkeiten in der Pausa „über die Hintertür" des Fördervereines. Aus diesem Grund sei das Ansin­nen des Denkmalverein auch im zweiten Anlauf abgelehnt worden, obwohl sich der Büchereiförder­verein als „Transportkarren" ange­boten hatte.

„Wer von außen kommt, muss für seine Veranstaltung einen Ko­operationspartner aus dem Haus haben", erklärt Mössingens Büche­reileiterin Maria Bühler-Weinmann. Ihr Problem mit zusätzli­chen Terminen hat eher praktische Gründe. Da die Pausa Tonnenhalle keinen Hausmeister beschäftigt, bleiben dessen Aufgaben an ihr hängen. Bei Veranstaltungen, die gut zur Bücherei passen, falle es ihr leichter, „ihre Freizeit zu opfern", sagt sie.

Kaum weniger kompliziert kommt dem Denkmalverein der Weg in die Mössinger Kultur­scheune vor. Er habe auf seine An­frage nicht einmal eine Antwort bekommen, ärgert sich Vereins­mitglied Steffen Killinger. Grund­sätzlich steht der Vortragsraum im Dachgeschoss der Kulturscheune auch Mössinger Vereinen und Ver­bänden zur Verfügung. Allerdings sind Veranstaltungen nur mitt­wochs und sonntags und nur wäh­rend der Zeiten möglich, in denen das Cafe Chamäleon seine Theke geöffnet hat. „Das müsste man vielleicht mal anders organisie­ren", gibt Dieter Schmidt zu be­denken.

Inzwischen hat sich der Denk­malverein für seine geplante Ver­anstaltung auf eine Mössinger Gaststätte geeinigt. „Dann können die Zuhörer nebenher ein Viertele schlotzen", wendet Norbert Otto die Debatte ins Positive.