Das vielleicht älteste bauzeitliche Fenster in Mössingen - am Textor-Häusle.

Foto:NFT Otto

Das Textor-Häusle

 

Licht und Schatten - unter diesem Motto möchte der Denkmalverein zukünftig in einer losen Reihe im Amtsblatt auf gelungene Restaurierungen historischer Gebäude im alten Dorfkern von Mössingen aufmerksam machen. Genauso möchte er auch den Blick auf Problemfälle und gefährdete Gebäude richten, die bei gelungener Restaurierung, zeitgemäßes Wohnen mit dem Charme vergangener Epochen verbinden lässt.

 

Wir beginnen mit einem kleinen Häuschen in der Grabenstraße 29. Es steht in der zweiten Baureihe versteckt zwischen größeren Hofgebäuden. Bis vor wenigen Jahren gab es im früher auf dem Geißenmarkt genannten Gebiet einige kleine Tagelöhner- oder Weberhäuschen, die Zeugnis über das Leben der ärmeren Dorfbevölkerung am ehemaligen Ortsrand von Mössingen geben konnten. Durch den erst kürzlich vorgenommenen Abriss des kleinen Seldnerhäuschens an einer Engstelle der Grabenstraße, sind diese kleinen Häuschen fast vollständig aus dem Mössinger Ortsbild verschwunden. Dass gerade diese unscheinbaren Gebäude zu besonders liebenswürdigen Objekten mit hohem individuellen Wohnwert und Charme werden können, beweist das nach seinen letzten Bewohnern Textor-Häusle genannte Gebäude Grabenstraße 29!

 

Es wurde vermutlich zwischen 1790 und 1810 erbaut. Ob es sich zu Beginn um einen sogenannten Altenteiler eines der großen Bauernanwesen in unmittelbarer Nachbarschaft legt die eingezwängte Lage zwischen diesen Gebäuden nah, muss jedoch noch durch ausgiebige Archivrecherchen endgültig geklärt werden. Ab dem 1850er Jahren wurde es von verschiedenen Weberfamilien, die teilweise sehr kinderreich waren, bewohnt. Um 1930 richtete ein Gärtner in der vorderen Kammer eine Samenhandlung ein. Hiervon zeugt noch das relativ große Fenster rechts neben der Haustüre. Danach kauften es die Familie Textor, die es bis zum Tod von Agnes Textor, bewohnten. Nun stand es über 10 Jahre leer und sein Schicksal schien schon besiegelt, als der Verfasser auf das Haus aufmerksam wurde und erste Sicherungsmaßnahmen vornahm. Da das Haus seit vielen Jahren kaum noch verändert wurde, erkannte das Landesdenkmalamt seinen außergewöhnlich hohen Zeugniswert und stellte es im Jahr 2000 unter Denkmalschutz. Nachdem eine Eigennutzung durch den Verfasser aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kam,  vermittelte er mit der Tochter der letzten Bewohnerin den Verkauf an das Ehepaar Christa und Walter Eberl. Sie hatten sich dazu durchgerungen das Haus denkmalgerecht zu restaurieren und anschließend zu vermieten.

 

Mit viel Eigenleistung, Idealismus und nicht zuletzt auch mit der Beratung und Vermittlung geeigneter Zimmerleute durch die Interessengemeinschaft Bauernhaus IGB, wurde daraus ein Kleinod, wozu wir den neuen Eigentümern und den glücklichen Mietern nur gratulieren können!

 

Holger Friesch 2. Vorsitzender Denkmalverein Mössingen, Kontaktstelle der Interessengemeinschaft Bauernhaus IGB Neckar-Alb   

Die halbseitig verputzte Giebelwand erinnert die Bewohner jeden Tag aufs Neue, bevor sie ihre Augen zur Nachtruhe schließen, dass sie nur ein Glied in einer hoffentlich noch langen Reihe von Bewohnern dieses Hauses sind.


Foto: NFT Otto