10 Jahre Mössinger Denkmalverein e.V.

 

 

Besinnlichkeit und Ehrung

 

Das letzte, schon adventliche Treffen des Mössinger Denkmalverein e.V. in diesem Jahr, noch unter dem Motto stehend: „Kirchen und Klöster in unserer Umgebung“, war zweigeteilt. Zu einer außergewöhnlichen Führung durch das nächtliche, dunkle Kloster Bebenhausen, allein erleuchtet vom Kerzenschein der Laternen der Mitglieder und Freunde des Denkmalvereins, trafen wir uns zunächst an diesem Ort über tausendjähriger Geschichte. Von vorklösterlichen Zeiten, über das Seelenheil des Pfalzgrafen von Tübingen, den strengen, und manchmal mit schwäbischer Schläue umgangenen Regeln der Zisterzienser, über die Zeit als evangelische Klosterschule bis hin zum Sitz des Landtags von Südwürttemberg-Hohenzollern. Bestimmt einmalig aber waren die Ergänzungen des profunden, wissenschaftlich historischen Vortrages der Führerin durch jene unseres Gründungsmitgliedes Steffen Killinger, selbst dort über viele Jahre als Klosterführer tätig, aus seiner wissenschaftlich, archäologischen Sicht.

 

Nach der Rückfahrt begann dann in der Bahnhofsgaststätte in Belsen der 2. Teil dieses Abends. Er wurde eröffnet mit dem Vortrag unseres ehemaligen Ersten Vorsitzenden, Steffen Killinger:

 

„10 Jahre Denkmalverein Mössingen e. V.

Ein Rückblick und Ausblick.

 

Am 24. Juli 2003 trafen sich im Mössinger Gasthaus "Zum Lamm" einige Bürger, die mit der fortschreitenden Abrisspolitik der Mössinger Stadtverwaltung nicht einverstanden waren. Der Ausgangspunkt für dieses Engagement war der drohende Abbruch des Gebäudes Waibachstraße 26, mit dem eine der wenigen noch einigermaßen intakten Ortsstraßen ein Straßenbild prägendes Gebäude verlieren würde. Zwölf Bürger gründeten auf der konstituierenden Sitzung den "Förderverein zur Erforschung und Erhaltung der Kulturdenkmäler im Gebiet der Stadt Mössingen" kurz genannt, den Denkmalverein. Von den zwölf Gründungsmitgliedern sind heute noch zehn Mitglieder im Verein.

 

Das Vorbild des Denkmalvereins sollte der Förderverein Kloster in Horb werden, dem es innerhalb von sechs Jahren gelungen war, das ehemalige Franziskanerinnenkloster in Horb vor dem Verfall zu retten und es durch eine mustergültige Sanierung einer neuen Nutzung als Kulturhaus zuzuführen. Beim Förderverein Kloster waren es 87 Gründungsmitglieder, die Mitgliederzahl stieg rasch auf über 400 Mitglieder an und es fanden sich auch finanzkräftige Sponsoren. Somit konnte die "bürgerschaftliche Bauträgerschaft" die Gesamtkosten von 5,5 Millionen Euro auch stemmen und erhielt dafür 1998 den Deutschen Denkmalschutz-Preis. Die Sanierung des Horber Kloster hatte auch für die Altstadt von Horb einen positiven Nebeneffekt. Viele, seit Jahren leer stehende, Gebäude wurden ebenfalls von privater Hand saniert. Solch ein Erfolg ist dem Denkmalverein bisher nicht gelungen.

 

Die Mitgliederzahl betrug bei ihrem Höchststand nicht einmal die Hälfte der Gründungsmitglieder des Fördervereins Kloster in Horb. Trotz der geringen Mitgliederzahl und der nicht gerade üppigen Finanzlage hat der Mössinger Denkmalverein in den letzten 10 Jahren doch einiges veranstalten und leisten können. 

 

Der Verein beteiligte sich sieben Mal an dem bundesweit stattfindenden "Tag des offenen Denkmals":

-    2003: Streib-Haus (Rechenmacherhaus und Peter- und Paul-Kirche waren auch geöffnet).

-    2004: Altes E-Werk (nun auch schon Geschichte).

-    2005: Talheimer Bergkirche zum Thema "Kriegsende in Mössingen".

-    2006: Kugelbeer und Streib-Haus, Eröffnung historischer Stadtrundgang.

-    2007: Peter- und Paul-Kirche mit Turm und Dachstuhl.

-    2009: Rundgang zu Orten des Genusses: ehem. Mössinger Gasthäuser.

-    2012: Bolbergstraße 19 in Öschingen während der Sanierung.

 

Wir veranstalteten außerdem drei Mal einen bauhistorischen und gefügekundlichen Rundgang mit dem Bauforscher Tilmann Marstaller in Mössingen, Belsen und Öschingen. Bei der Ausarbeitung und Erstellung des historischen Stadtrundgangs "Leben und Arbeiten in Mössingen" war auch der Denkmalverein aktiv beteiligt.

 

Eine aktive Beteiligung im Denkmalschutz waren die Dachdeckungs- und Dachreparaturmaßnahmen an den Gebäuden Lange Str. 7/9 und Lange Straße 60/62 sowie die Unterstützung bei den baubegleitenden archäologischen Untersuchungen bei der Trinkhalle beim Butzenbad. Auch einige dendrochronologische Untersuchungen an historischen Gebäuden wurden vom Denkmalverein angeregt und im Falle des Gebäudes Sulzgasse 7 auch finanziert. Leider konnte das Gebäude nicht mehr gerettet werden. Die Entzifferung von Baudaten gelang an zwei Gebäuden, zum einem in der Mittelgasse 9 und zum anderen in der Falltorstraße 79. In den Anfangsjahren nahm der Verein auch am Mössinger Weihnachtsmarkt teil. Da wir aber kein Fressstand waren und die angebotenen Artikel meist selbst herstellen mussten, blieb dies ein finanzielles Risiko und wurde, nach einem besonders schlechten Ergebnis, nicht mehr weiter betrieben.

 

Finanziell erfolgreicher waren die Teilnahmen an den Flohmärkten. Hier wurden Sachspenden der Mitglieder unter das Volk gebracht, was uns meistens einen Reingewinn von ca. 200 Euro einbrachte. Beim internationalen Museumstag war der Denkmalverein in der historischen Messerschmiede mehrere Male mit dabei und leitete das Schmieden für Kinder.

 

Die Ausflüge und Exkursionen des Vereins führten in die nähere und weitere Umgebung. Zwei Ausflüge wurden in den benachbarten Zollernalbkreis gemacht, einmal zu den ältesten Kirchen rund um den Hohenzollern. Dabei wurde bei der Belsener Kirche gestartet, anschließend ging es zur Weilerkirche nach Haigerloch-Owingen und nach Onstmettingen sowie zu der sehr sehenswerten Kirche von Burgfelden. Dieses Jahr waren es die Klöster rund um den Hohenzollern, beginnend mit dem ehemaligen Frauenkloster in Hechingen-Stetten und abschließend mit dem Kloster Kirchberg . Weitere Ausflugsziele waren die Altstadt von Konstanz mit der Besichtigung der Kirchengrabung in der ehemaligen Jesuiten-Kirche beim Konstanzer Münster, und die Bundesfestung Ulm mit anschließendem Stadtrundgang in Ulm zur Siedlungsentwicklung der ehemaligen Reichsstadt. 10 Jahre Denkmalverein sind auch drei verschiedene Vorsitzende (Jochen Saile, Steffen Killinger und Norbert F.T. Otto) drei verschiedene 2. Vorsitzende (Winfried Sigwarth, Steffen Killinger und Holger Friesch), zwei verschiedene Kassenwarte (Holger Friesch und Martin Neth) sowie vier verschiedene Schriftführer (Walter Eberl, Ingrid Merk, Holger Friesch und Dagmar Weinberg). 10 Jahre Denkmalverein sind zahlreiche Sitzungen, die in der Anfangszeit auch öfters sehr turbulent verliefen, sind viele Gespräche und Anregungen, hochtrabende Pläne und harte finanzielle Fakten. Wichtige Punkte in der Vereinsarbeit aber blieben die Kämpfe um die alte Bausubstanz in Mössingen.

 

Dazu erschienen zahlreiche Leserbriefe und Zeitungsartikel, bei Interviews zum Thema historische Bausubstanz ist der Denkmalverein ein gern gesuchter und kompetenter Gesprächspartner geworden. Neben den historischen Bauernhäusern rückte auch der geplante Abriss der PAUSA-Tonnenhalle in das Blickfeld des Vereines. Auch hier wurden zahlreiche Aktionen gestartet, unter anderem eine Unterschriften-Aktion gegen den Abriss, die unter der Federführung des geplanten politischen Armes des Denkmalvereins, der Wahlliste WiM - Wende in Mössingen) stattfand. Aber auch die Kontaktaufnahme zur Architekten-Kammer und zum Schwäbischen Heimatbund sowie ein starker persönlicher Einsatz einzelner Mitglieder führte letztendlich zum Ziel der Erhaltung des gesamten PAUSA-Areals. Unter den "offiziellen" Rettern der PAUSA taucht der Denkmalverein allerdings nirgends auf.

 

Eine weitere Unterschriften-Aktion zur Erhaltung des ehemaligen Polizeipostens in der Bahnhofstraße brachte über 800 Unterschriften und die Stadtverwaltung rückte von ihren Kauf- und Abrissplänen ab. Heute hat das Gebäude private Investoren gefunden und wird nun saniert. Vieles ging jedoch auch während der vergangenen 10 Jahre für immer verloren. Im Ortskern betraf es die Gebäude Sulzgasse 7, Sulzgasse 5, die Hafnergasse 4 und die Hafnergasse 5, das Seldnerhaus in der Grabenstraße, die alte Shedhalle der PAUSA, die Schreinerei und die zwei kleineren Häuser an der Burg, das Haus Kugelbeer 13, die Burgstraße 1, die Mittelgasse 27 und so weiter.  Dieses Jahr traf es die Waibachstraße 26, das Haus zu dessen Rettung sich der Denkmalverein einst gegründet hatte. Vieles bleibt noch zu tun. Die Mittelgasse 24/26, die Lange Gasse 7/9, die Lange Gasse 16, die Lange Gasse 60/62, das Kaufmannshaus Auf der Lehr 5 sowie das Gasthaus "Engel" und das "Schuhhaus Haar", um nur einige zu nennen, sind weiter hin gefährdet. Manche dieser Häuser sind im Besitz der Stadt, andere in Privatbesitz. Langer Leerstand verbessert die Substanz dieser Gebäude nicht und der Denkmalschutz weicht oft der wirtschaftlichen Zumutbarkeit. Das Gasthaus "Engel" ist durch die Insolvenz der Maschinenfabrik Neth nun auf dem freien Markt verfügbar. Vielleicht würde sich hier eine Gelegenheit bieten an prominenter Stelle ein Zeichen zu setzten und dem Vorbild des Fördervereins Kloster in Horb zu folgen um eine "bürgerschaftliche Bauträgerschaft zu gründen und den "Engel" zu einem "Bürgerhaus" im klassischen Wortsinne zu sanieren.

 

Ich wünsche dem Denkmalverein und seinen Mitgliedern weiterhin viel Erfolg und Mut, auch bei

gelegentlichen Rückschlägen, mehr (aktive) Mitglieder und eine glückliche Hand bei der Suche nach

Investoren und Sponsoren."

 

Im Anschluss daran konnte der 1. Vorsitzende des Mössinger Denkmalverein, Norbert F. T. Otto, zusammen mit dem 2. Vorsitzenden, Holger Friesch, den anwesenden Jubilaren (siehe Bildunterschrift) ihre Ehrenurkunden übergeben. Allen, auch den verhinderten Jubilaren, dankte Vorsitzender Otto für Ihre Treue und ihr Engagement. Über Mitternacht hinaus dauerte das anschließende gemütliche Beisammensein.