ehemaliges Armenhaus in Immenhausen
© Dr. Klaus Franke; Mössingen

Stimmungsvoller Jahresabschluss

 (von Dagmar Weinberg, Protokoll)

 

Zur Jahresabschlussfeier machten sich die Mitglieder des Mössinger Denkmalvereins heuer auf den Weg nach Immenhausen. Ziel war das Armenhaus, das Sonja und Achim Bruksch vor dem Abriss gerettet haben. Die Eichen für das an der heutigen Durchgangsstraße gelegene Häuschen wurden im Winter 1655/56 gefällt. 300 Jahre später kaufte ein ortsansässiger Gipser das Haus von der Gemeinde und nutzte es als Lagerraum. 1991 stellte das Landesdenkmalamt Tübingen das inzwischen dem Verfall preisgegebene Gebäude unter Denkmalschutz. Nachdem es zehn weitere Jahre verfallen war, kaufte das Ehepaar schließlich das direkt neben ihrem Haus gelegene Armenhäuschen.

„Das Gebäude war damals ein Trümmerhaufen“, erzählten die Eigentümer ihren Gästen aus Mössingen. Kaum ein Fenster war noch heil, durch das undichte Dach regnete und schneite es herein, Eichenschweller und -ständer waren verfault, Fußbodendielen durchgebrochen. Doch Sonja und Achim Bruksch ließen sich nicht entmutigen. In mehr als 1000 Arbeitsstunden – und ohne jegliche finanzielle Zuwendung durch das Denkmalamt – haben sie das Haus denkmalgerecht saniert und ein wahres Schmuckstück geschaffen. „Wir haben auch aus dem Dorf immer wieder Unterstützung bekommen“, freut sich Sonja Bruksch. Sei es, dass sie und ihr Mann sich bei Haushaltsauflösungen passende Einrichtungsgegenstände für ihr kleines Museum heraussuchen durften „oder Leute uns alte, noch funktionsfähige Haushaltsgeräte und -gegenstände vorbeigebracht haben, die sie einfach nicht wegwerfen wollten.“ So lässt es sich heute im Immenhauser Armenhäuschen nicht nur wie zu Omas Zeiten wirtschaften. Dank der liebevollen Einrichtung kann man, gemütlich zusammensitzen.

Besonders schön ist es freilich im Advent, wenn Sonja und Achim Bruksch die Tische zauberhaft dekorieren und ungezählte Kerzen die Räume des Armenhäuschens stimmungsvoll erleuchten. So fühlten sich die Mitglieder des Mössinger Denkmalvereins bei ihrer Jahresabschlussfeier rundum wohl und genossen den Abend. Zwar gibt es im Armenhäuschen keinen Strom. Da Achim Bruksch aber in weiser Voraussicht eine Steckdose installiert hat, wurden Laptop und Beamer angeworfen. Der Bildervortrag unter dem Motto „Häuser, die es nicht mehr gibt“ führte den Mitgliedern des Denkmalvereins einmal mehr vor Augen, welcher Raubbau an der historischen Bausubstanz in Mössingen seit den 50er-Jahren betrieben worden ist – vom Abbruch der Zehntscheuer bis hin zum Abriss des Streibhauses in der Waibachstraße.