Ansicht der Synagoge in Hechingen (undatiert, zwischen 1852 und 1881); Lithographie von S. Obach
Ansicht der Synagoge in Hechingen (undatiert, zwischen 1852 und 1881)

„Licht und Schatten“ – diesem Jahresmotto für 2015 unterliegt auch der diesjährige Ausflug des Mössinger Denkmalvereins in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, nach Hechingen und nach Bisingen. Von der Synagoge über den Jüdischen Friedhof, und nach dem Mittagessen im Lamm (Hechingen-Stein), hinüber zum ehemaligen Ölschieferwerk in Bisingen – ein KZ in der Nazizeit.

 

Sie fragen sich, was der Mössinger Denkmalverein mit den Juden zu tun hat? Wir Württemberger haben doch mit der Judenfrage nichts zu tun, bei uns gab es doch fast keine Juden – oder? Richtig, dafür hat ja schon unser allgeliebter Graf Eberhard im Barte gesorgt und nach ihm Martin Luther. Und doch können wir, fast in Hausschuhen von Mössingen aus, sowohl ein Beispiel gebendes Miteinander jüdischer und christlicher Kultur im zollerischen Hechingen erfahren, in dem zeitweise bis zu einem Viertel der Einwohnerschaft jüdischer Abstammung war, als auch die tiefsten Tiefen der Unmenschlichkeit in Bisingen.

 

Heute ist die Synagoge dank der "Initiative Hechinger Synagoge" restauriert und ein Kulturdenkmal. Der Mössinger Denkmalverein und seine Gäste möchten sich dort bei einer Führung, die anschließend auch den Jüdischen Friedhof umfasst, zum nachdenken anregen lassen. Und wir werden erstaunt erfahren wie viel Einfluss, gegenseitigen Einfluss, jüdisches und christliches Leben in Deutschland, in Europa, im Abendland hatte. Und wir werden ebenso erfahren können, wie bürgerschaftliches Engagement und das Engagement einzelner, selbst wenn sie über Jahre für Ihre Ziele gegen die kleine und große Obrigkeit zu kämpfen hat, großartiges, beispielgebendes erreichen kann. Wie aus einem dem Zerfall preisgegebenem Haus, Gebäude, Synagoge, nicht nur ein denkmalgeschütztes Kleinod, sondern ein wahrer Kulturträger wird, der in diesem, dann erfolgreichen Fall, plötzlich viele Väter hat…

 

Wir treffen uns am Sonntag, den 19. Juli 2015 pünktlich um 10:30 Uhr, in Mössingen, Jakob-Stotz-Parkplatz und bilden dort Fahrgemeinschaften. Die Kosten für die Führungen übernimmt der Denkmalverein. Eintrittsgelder und Verpflegung bestreitet jeder selbst. Spenden willkommen.