... und kein Ende!!

Aufnahmen der archäologischen Untersuchung Nachgeburtstöpfe 13.02.2009; ©Dr. Klaus Franke

Aufnahme des Hauses Lange Str. 16 am 2.02.2021; © NFT Otto

Detail der Fachwerkverplattung; Archivbilder aus 2009 © Steffen Killinger

 

„In der Langgasse und den von ihr zur Hauptstraße abzweigenden Gäßchen stehen manche gutgebaute alte Holzhäuser mit vorspringenden Giebel.“ So beschreibt die Oberamtsbeschreibung Rottenburg um 1900 den Ortskern von Mössingen. Von den gutgebauten Holzhäusern ist in der Langgasse bald nichts mehr vorhanden. Und nun verschwindet wieder ein Haus (Lange Str. 16), welches  das Straßenbild über 500 Jahre geprägt hat.

 

Das stattliche Fachwerkhaus ist um 1500 erbaut worden. Es hatte noch einen guten Bestand an der originalen Bausubstanz und wurde in seiner langen Geschichte nur wenig verändert. Die auffallendste Veränderung war die Aufstockung des hinteren Giebel, sowie der in Mössingen übliche Austausch der Lehmgefachung durch die Betonsteine der „Zemente“.

 

Im flachgedeckte Keller, der sich nur unter einem kleinen Teil des Gebäudes befand, wurden auch im Jahr 2009 Nachgeburtstöpfe (die ersten in Mössingen) entdeckt.

 

Das Fachwerkgerüst bestand überwiegend aus Eiche. Die Ständer waren mit dem Rähm durch Hakenblatt-Verbindungen verbunden. Im Erdgeschoß  waren die Verbindungen zum Teil noch sichtbar.

 

Im Obergeschoß fiel zunächst die große Raumhöhe auf. Dies lässt auf einen wohlhabenden Erbauer schließen, der sicherlich zur dörflichen Oberschicht gehörte oder sogar ein Angehöriger einer geistlichen oder weltlichen Herrschaft war.

 

Das Dachgeschoß war ein eindrucksvolles Zeugnis von spätmittelalterlicher/frühneuzeitlicher Zimmermannskunst. Der bauzeitliche Dachstuhl war noch vollständig erhalten. Selbst die Veränderungen der 1930er Jahre haben in seine ursprüngliche Substanz kaum bis gar nicht eingegriffen.

 

Mit dem Abbruch des Hauses verliert Mössingen einen weiteren wichtigen Zeugen seiner Geschichte und die Lange Gasse verliert weiter an Gesicht und dürfte in ein paar Jahren mit anderen gesichtslosen Durchgangsstraßen bundesweit austauschbar sein.

 

 

 

Steffen Killinger, im Jnaurar 2021

für den Denkmalverein Mössingen e.V.